Ab wann ist ein Auto ein Oldtimer?

Wenn Sie sich gerade die Frage: „Ab wann ist ein Auto ein Oldtimer“? stellen und nicht sofort die Antwort parat haben, hilft ihnen dieser Ratgeber ohne langes Um-den-heißen-Brei-Gerede weiter.  Ein Oldtimer ist ein Fahrzeug, das älter als 30 Jahre ist. Wer es noch etwas genauer wissen möchte, dem empfehlen wir, einfach, weiterzulesen und alles über die Voraussetzungen, die Vorteile und die Hintergründe zum Thema zu erfahren!

Autor: Philipp Knauf
Position: Vertrieb
Aktualisiert: 31.05.2021

Die Voraussetzungen ab wann Autos Oldtimer sind

Laut ADAC ist ein Oldtimer ein gut gepflegtes Auto oder Motorrad mit Sammler- und Liebhaberwert, das vor mindestens 30 Jahren erstmals zugelassen wurde und keine größeren Mängel und Gebrauchsspuren aufweist. Was dabei unter gut gepflegt verstanden wird und wie der Sammler- und Liebhaberwert bestimmt wird, bedarf jedoch einer genaueren Erklärung.

Fakt ist zunächst: Wenn ein Auto 30 Jahre alt ist kann, aber muss es sich nicht, um einen Oldtimer handeln. So sind manche Autos zwar älter als 30 Jahre, erfüllen aber die entsprechenden Kriterien nicht, um als Oldtimer bezeichnet zu werden. Dabei entscheidet eine sachverständige Person bei einer Hauptuntersuchung, ob das Auto eben oben genanntes erfüllt. Das geschieht bei einer Prüfstelle im Rahmen eines Oldtimer-Gutachtens.

Der Originalzustand bzw. die Originaltreue müssen für das gesamte Fahrzeug, sowohl bei Autos als auch Motorrädern, gelten, also auch nach …

  • … einer Oldtimer-Restauration,
  • … einem Oldtimer-Tuning
  • … dem Verbau von Ersatzteilen noch gegeben sein.

Erfüllt Ihr Fahrzeug diese Kriterien, heißt das für den Prüfer oder die Prüferin, dass erstens die Nutzung zur Wahrung »kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts« gegebenen ist. Und zweitens, dass ihr Auto gut gepflegt ist, Sammlerwert hat und die Bezeichnung Oldtimer tragen darf.

Für die Oldtimer-Prüfung beim H-Kennzeichen werden von TÜV und DEKRA Preise in der Größenordnung von 100 Euro verlangt. Die Hauptuntersuchung liegt bei ca. 70 Euro. Dann müssen Sie nur noch die Gebühren in Höhe von ca. 28 Euro begleichen, um das spezielle Oldtimer-Kennzeichen zu erhalten und offiziell als Oldtimer-Besitzer zu gelten. Insgesamt kostet Sie das H-Kennzeichen also um die 200 Euro.

Quelle: https://www.bussgeldkatalog.org

Fakten am Rande: Obwohl „Oldtimer“ sehr englisch klingt, handelt es sich um eine deutsche Wortschöpfung – einem Scheinanglizismus. Im englischen bedeutet der Begriff übrigens „alte Menschen“, „alter Mann“ oder „Veteran“. Für ein historisches Fahrzeug dagegen stehen dort Ausdrücke wie "classic car", "veteran car" oder "vintage car", zu Deutsch: „Klassisches Fahrzeug“ oder „Klassiker“.

Klassifizierung in Baujahresklassen

Die Frage „Ab wann gilt ein Auto als Oldtimer?“ ist zwar schon recht gut, aber noch nicht vollständig beantwortet. Es gibt nämlich noch eine etwas breitere Klassifizierung des Begriffes Oldtimer, die mit internationalen Oldtimer Rallyes und dem Oldtimer-Weltverband FIVA zu tun hat.

Denn im Motorsport mit klassischen Fahrzeugen, bei Rennen und Gleichmäßigkeitsfahren ist es wichtig, dass die Oldtimer-Fahrzeuge in Bezug auf ihren technischen Entwicklungsstand miteinander vergleichbar sind. Dazu wurden, das Fahrzeugalter abbildend, Klassen eingerichtet.

Klasse
Alter
Bezeichnung
A
bis einschließlich 1904
Ancestor
B
1905 bis 1918
Veteran
C
1919 bis 1930
Vintage/Klassiker
D
1931 bis 1945
Post-Vintage/Post-Klassik
E
1946 bis 1960
Nachkriegsfahrzeug
F
1961 bis 1970
Klassisches Fahrzeug
G
1971 bis Fahrzeugalter von
mindestens 30 Jahren
Klassisches Fahrzeug

Ein MG TA Baujahr 1936 spielt sicherlich nicht in derselben Liga wie ein Spitfire oder ein Fiat 126. Deshalb hat man insgesamt 7 Klassen mit den Bezeichnung A bis G ins Leben gerufen. Die ältesten Fahrzeuge, die als Oldtimer bezeichnet werden, wurden bis 1904 gebaut. Die Jüngsten müssen die oben genannten Kriterien erfüllen. Im historischen Automobilsport existiert außerdem eine Einteilung der FIA (Fédération Internationale de l‘Automobile).

Doch wo genau liegen die Vorteile, wenn man mit einem H-Kennzeichen fahren darf?


Ab wann gilt ein Auto als Oldtimer, wenn es um Steuer und Versicherung geht?

Ganz einfach: sobald das Oldtimer-Gutachten samt Hauptuntersuchung positiv absolviert ist. Denn im Anschluss kann das H-Kennzeichen beantragt werden. Das „historische Kennzeichen“ wurde 1997 eingeführt und dabei gleich auch die Bezeichnung Oldtimer juristisch verankert; zu finden in Deutschland in § 2 Nr. 22 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung.

Besitzer eines Oldtimers mit H-Kennzeichen zahlen als Konsequenz weniger Kfz-Steuer und einen geringeren Beitrag für die Kfz-Versicherung. Die Steuer für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen beträgt einheitlich 191,73 Euro, für Motorräder 46,02 Euro. Bei der Oldtimer-Versicherung kommt es auf den Anbieter an, wie viel dank H-Kennzeichens eingespart werden kann. H-Kennzeichen mit ihrer Pauschalbesteuerung lohnen sich für viele Kleinwagen nicht. Das wissen auch die Versicherer und bieten für klassische Kleinwagen auch günstige Versicherungsprämien ohne H-Kennzeichen an.

Unabhängig von den finanziellen Einsparungen dürfen Oldtimer mit H-Kennzeichen ohne Plakette in die Umweltzone fahren. Als Unterscheidungsmerkmal zu normalen Kfz-Kennzeichen hat das H-Kennzeichen nach den Ziffern den Buchstaben “H” eingetragen.

Unterschied zwischen dem H-Kennzeichen und den 07-Kennzeichen

Das rote 07-Kennzeichen ist ebenfalls ein Kennzeichen, das nur Besitzer eines Oldtimers beantragen können. Es ist im Gegensatz zum H-Kennzeichen jedoch besonders bei Sammlern gefragt, die mehrere Klassiker in ihrer Garage stehen haben.

Quelle: https://www.kroschke.de
Mit dem 07er-Nummernschild können mehrere Autos gleichzeitig versichert werden, da die Tafel auf mehrere Autos laufen kann. Es ist demnach ein Wechselfahrzeug-Kennzeichen, bei dem man zwar genaue Auflagen erfüllen muss, aber am Ende des Jahres Geld spart.
Befindet sich aber nur ein klassisches Fahrzeug in Ihrem Besitz, mit dem Sie in der Nutzung nicht zu stark eingeschränkt sein möchten, bietet sich das H-Kennzeichen eher für Sie an. In folgender Tabelle haben wir alle Merkmale und Vorteile übersichtlich für Sie zusammengestellt:

07-Nummer
H-Kennzeichen
rote Prägung auf weißem Untergrund
schwarze
Nutzung an mehr als an einem Fahrzeug
darf nur für 1 Kraftfahrzeug verwendet werden
nur für Probefahrten, Überführungen
und Kurzstrecken erlaubt
normale Nutzung im Straßenverkehr
ohne Einschränkungen
Fahrtenbuch muss geführt werden
mit erfolgreicher Zulassung keine Einschränkungen
keine Hauptuntersuchung notwendig
gültige Hauptuntersuchung als Voraussetzung
keine Einschränkung in Umweltzonen
keine Einschränkung in Umweltzonen

Youngtimer: Ab wann sind diese Autos Oldtimer?

Für den Begriff "Youngtimer" gibt es wie beim Begriff Oldtimer ebenfalls eine Definition. Diesmal vom Parlamentskreis Automobiles Kulturgut.

Youngtimer sind demnach seit mindestens 20, aber weniger als 30 Jahren in Betrieb, entsprechen weitestgehend dem Originalzustand und haben einen guten Erhaltungszustand.

Somit ist ein Youngtimer ein kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut und soll für künftige Generationen bewahrt werden. (Ebenfalls ein Scheinanglizismus, der im Englischen nicht verstanden wird. Der international gängige Begriff ist der “future classic”). Bei Erreichen der 30-Jahres-Grenze und dem Erhalt des guten und originalgetreuen Zustandes wird der Youngtimer dann automatisch zum Oldtimer – egal, ob er auf zwei oder vier Rädern fährt.
In der Praxis folgen die meisten Versicherer dieser Unterscheidung zwischen den mindestens 30 Jahre alten Oldtimern und den 20 bis 30 Jahre alten Youngtimern. Bei manchen Versicherern kann man jedoch schon nach 25 Jahren ab Erstzulassung günstigere Konditionen für die Kfz-Versicherung aushandeln.


Fazit: Ab wann ist ein Auto ein Oldtimer?

Nun wissen Sie genau Bescheid, ob Ihr Klassiker das Zeug zum Oldtimer hat und ab wann er als solcher bezeichnet werden darf. Darüber hinaus sei noch erwähnt, dass sich das H-Kennzeichen nicht für alle Fahrzeuge rechnet, denn in manchen Fällen zahlt man am Ende doch mehr als mit einem regulären Kennzeichen ohne H. Lesen Sie dazu unseren Ratgeber zum Thema H-Kennzeichen.