Was ist beim Abschmieren eines Fahrzeugs zu beachten?

Ein regelmäßiger Ölwechsel, entrosten oder gar eine Restauration sind Arbeiten, die ein gewisses handwerkliches und fachliches Grundverständnis erfordern.  Vergleichsweise unaufwendig ist da das regelmäßige Abschmieren, wenn es um die Pflege und Instandhaltung eines Klassikers geht. Um diese Arbeiten selbst durchzuführen, sind jedoch eine moderne Bühne oder eine Grube unabdingbar,  um die Fahrzeugunterseite erreichen zu können.

Was genau beim Abschmieren eines Fahrzeugs zu beachten ist, was man braucht dazu und wie man für richtiges Abschmieren vor geht finden Sie hier – inkl. Anleitung für die Bedienung der Fettpresse.

Autor: Fabian Schorn
Position: Vertriebsleiter
Aktualisiert: 02.02.2022

Schmiernippel, Fettpresse und Co.: Grundlagen rund um das Abschmieren

Um alle Funktionen Ihres Liebhaber-Fahrzeuges instand zu halten, ist ein regelmäßiges Abschmieren beweglicher Teile an Fahrwerk und Antrieb empfehlenswert, wie zum Beispiel …

  • … Kreuzgelenke bei Antriebswellen,
  • … Lenkung
  • … Scharniergelenke der Gelenkwellen,
  • … die Achsschenkel.

Das betrifft vor allem klassische Fahrzeuge bis in die 1970er Jahre und einige Nutzfahrzeuge, speziell Geländewagen und Traktoren.  

Der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs liegen in der Regel illustrierte Pläne bei, die erläutern, welche Punkte in welchen Intervallen abgeschmiert werden müssen. Sollte Ihnen der Abschmierplan für Ihren Klassiker nicht vorliegen, helfen wir vom Kundenservice bei Limora Ihnen gerne weiter!

Wir haben auch eine Auswahl interessanter und intelligenter Werkzeuge rund um das Thema Schmiernippel. Die Herausforderung kommt, wenn die Schmiernippel verrottet sind. Aber keine Sorge: Neue Schmiernippel haben wir auch, metrisch wie zöllig. Aber alles der Reihe nach!

Welche Grundlagen es zum Thema Abschmieren, der Fettpresse und Schmiernippeln zu wissen gibt, erfahren Sie im Folgenden.

Abschmierbare Teile vs. versiegelte Teile: Was ist besser?

Bei modernen Fahrzeugen haben versiegelte Teile (Packed for life) abschmierbare Teile und Schmiernippel so gut wie verdrängt. Nur noch Fahrern von Klassikern, oder (landwirtschaftlichen) Nutzfahrzeugen sind abschmierbare Teile ein Begriff.

Versiegelte Teile haben den Vorteil, dass sie erheblich billiger sind. Zusätzlich haben sie den Vorteil, dass man sie nicht explizit warten muss und sich das Abschmieren spart. Wenn versiegelte Teile jedoch trocken laufen, weil die Abdichtung defekt ist, das Fett im Inneren also weg ist, muss das Bauteil im Ganzen ersetzt werden.

Bei abschmierbaren Teilen liegt der Vorteil ganz klar in der Langlebigkeit und Reparierbarkeit. Man kann frisches Fett zugeben und eingedrungenes wieder rauspressen. Dadurch wird auch eingedrungener Schmutz rausgepresst, die Lager bleiben lange "sauber" und sind immer gut geschmiert. Wenn ordentlich nachgefettet wird, wird man als Fahrzeughalter mit einer hohen Lebenserwartung der Teile belohnt.

Wie geht man beim Abschmieren vor: Schritt für Schritt Anleitung

Wie bereits gesagt, ein regelmäßiges Abschmieren sollte für Klassiker aller Art zu den Arbeiten zählen, die regelmäßig durchgeführt werden. Die Arbeit ist weder überaus kompliziert noch braucht es viel Zubehör.

Schauen Sie sich den Abschmierplan genau an. Oft reicht das Anheben des Wagens um die entsprechenden Stellen zu erreichen. Hilfreich ist die klassische Grube oder topmodern eine Bühne.

Hier finden Sie eine kompakte Schritt für Schritt Anleitung und somit die Antwort auf die Frage: Was ist beim Abschmieren eines Fahrzeugs zu beachten?

  1. Abschmierplan lesen und alle Schmiernippel gemäß Schmierplan am Fahrzeug identifizieren.

  2. Altes Fett und Dreck mit einem Lappen entfernen.

  3. Gegebenenfalls Fettpresse mit Fett oder passender Kartusche befüllen.

  4. Schlauch der Fettpresse lotrecht aufsetzen und vorsichtig anfangen zu pumpen. Oft geht es anfänglich etwas schwer, da Dreck und verharztes Fett sich nicht so leicht austreiben lassen.

  5. Wenn das alte Fett herauskommt, weiter pumpen bis nur noch sauberes, neues Fett kommt, oft reichen 1-2 Pumpstöße.

  6. Überschüssiges Fett mit einem Lappen wieder abwischen.

  7. Wartungsbuch mit Datum und Kilometerstand eintragen.

  8. Nach ein paar längeren Ausfahrten noch einmal einen Blick auf die Schmiernippel werfen.

Tipp: Es ist kein Fehler, ein paar Ersatz-Nippel zu besorgen, bevor man sich an das Abschmieren macht.

Anleitung für die Fettpresse: richtiges Befüllen, Einsatz und Arten

Eine Fettpresse funktioniert im Grunde ähnlich wie eine klassische Silikonspritze und sieht auch so aus. In den dafür vorgesehen Innenbereich wird eine Kartusche eingesetzt. Die preiswerte Lösung sind 400 g Kartuschen mit mechanischen Fettpressen, eleganter sind selbstansaugende Fettpressen, die man an der 500 g Kartusche erkennt.

  • Um die Fettkartusche einzusetzen, muss die Presse demontiert werden. Im ersten Schritt wird dafür das Pressenrohr abgeschraubt.
  • Dann müssen die Zugstange zurückgezogen und der Deckel abgeschraubt bzw. entfernt werden.
  • Danach kann die Kartusche eingeführt und der Boden der Kartusche abgezogen werden.
  • Nach dem Einschrauben des Pressenrohrs wird die Zugstange entlastet, der Klemmhebel gedrückt und die Zugstange zurückgeschoben.
  • Durch Drücken des Entlüftungsventils erfolgt am Ende dann noch die Entlüftung der Kartusche.

Nun zur Verwendung der Fettpresse: Durch den Druck auf den dazugehörigen Hebel wird auch im Inneren Druck aufgebaut und eine kleine Menge Fett aus der Kartusche herausgepresst. Das Fett wird durch einen Schlauch, der am Ende der Presse sitzt, gedrückt und gelangt so durch den Nippel an die abzuschmierende Stelle der Konstruktion.

Bei Verwendung des passenden Aufsatzes für Schmiernippel und bei lotrechtem Aufsetzen des Schlauches auf den Nippel wird kein Fett daneben gespritzt, sondern es dringt ausschließlich in die gewünschte Stelle ein. Schmiernippel und Pressenaufsätze müssen daher immer zueinander passen, um ein fachgerechtes Abschmieren zu garantieren. Die meisten Schmiernippel sind in Standardgrößen erhältlich.

Tipp: Falls Ihr Fahrzeug also keine genormten Schmiernippel hat, lohnt es sich, diese gegen Standardmodelle auszutauschen. 

Neben der Größe der einsetzbaren Kartusche unterscheiden sich Fettpressen auch in ihrem Betrieb. Wir haben hier die gängigsten Arten aufgelistet:

  • Pneumatisch/Druckluftbetrieben mit Kompressor
  • Stoßpressen
  • Zweihandpressen: man braucht beide Hände zum Pumpen
  • Einhandpressen: bessere Handhabung, wenn man den Schlauch führen muss oder an den Nippeln selbst Druck aufbauen muss.
  • Fußhebel- und Standfettpressen

Bei der Frage welches Fett für die Fettpresse geeignet ist, können wir sagen: Verwenden Sie am besten hochwertiges Mehrzweckfett:

  • Achten Sie dabei auf die Temperaturen, denen das Fett standhalten muss!
  • Achten Sie auf die Kompatibilität des Gebindes mit Ihrer Presse. 400 g Kartuschen gehen nur in 400 g Pressen. 500 g nur in 500 g. Und beide können nichts mit einer 10 ltr. Dose anfangen.
  • Verwenden Sie kein überlagertes Fett. Nach 20 Jahren Lagerung ist die Verseifung oft verhärtet und das Fett kaum noch zu verarbeiten.

Was kann beim Abschmieren schief gehen?

Abschmieren ist eine eher schmutzige Arbeit. Technisch kann kaum etwas passieren. Manchmal  kann es passieren, dass Dichtringe aufgestülpt werden. Gerade mit Druckluft betriebene Fettpressen erfordern Aufmerksamkeit bei der Arbeit.

Fazit: Warum Abschmieren so wichtig ist

Wenn Sie Ihren Klassiker möglichst betriebssicher fahren möchten, dann ist ein regelmäßiges Abschmieren unerlässlich. Vor allem jüngere Besitzer eines klassischen Fahrzeugs haben diesen Vorgang gar nicht mehr auf dem Schirm, denn heutige Alltagsfahrzeuge haben fast ausschließlich wartungsfreie Fahrwerkskonstruktionen.

Daraus folgt auch die Problematik, dass auch im Alltag größerer Werkstätten das Abschmieren nicht zum Alltag gehört. Umso wichtiger ist es, regelmäßig selbst Hand anzulegen. Denn wenn das Fett an den Schmierstellen alt und zäh wird, hat das folgende Auswirkungen:

  • Die Schmiereigenschaften werden nicht mehr erfüllt.
  • Es dringt Feuchtigkeit in Teile ein, denen sie besser fernbleibt.
  • Nadellager "verwachsen" mit Wellen, Dadurch wird die Fahrwerksfederung reduziert, was umgebende Bauteile inklusive des Rahmens stark belastet.
  • Lager und Buchsen aus Bronze oder anderen Lagermetallen  verschleißen, werden oval bzw. Spiel entsteht.
  • Einer des häufigsten Mängel bei der Oldtimer-Hauptuntersuchung sind ausgeschlagene Fahrwerksbauteile, speziell Achsschenkel. Durch regelmäßiges Abschmieren, monatlich oder alle 1000 km, lassen sich solche Fehler zuverlässig vermeiden.
  • Wenn wenig abgeschmiert wird, wird die Nutzbarkeit der Schmiernippel immer schlechter und Fett dringt nicht mehr in alle Bereiche des Bauteils ein. Nur regelmäßiges Schmieren hält die Schmierstoffversorgung im Bauteil aufrecht.