Oldtimer Lackieren

Im Zuge einer Oldtimer Restauration sind die Lackierarbeiten von besonderer Bedeutung, denn hier verdirbt jeder noch so kleine Fehler das Endergebnis. Bereits oberflächliche Kratzer erscheinen im richtigen Licht wie tiefe Furchen und laienhafte Ausbesserungsarbeiten stechen sofort ins Auge.

Lackierarbeiten erfordern neben jahrelanger Erfahrung auch sehr viel professionelles Equipment.  Deshalb ist unsere wärmste Empfehlung: Je höher Ihr Anspruch an das Ergebnis der Lackierung ist, desto mehr können Sie für die Lackierung ausgeben.  Was in einer Fachwerkstatt dabei alles auf Ihr Fahrzeug zukommt und welche Vorarbeiten und kleinere Lackarbeiten Sie trotzdem selbst vornehmen können, erfahren Sie hier, also lesen Sie weiter!

Autor: Jean Göbbels
Position: Vertrieb
Aktualisiert: 31.05.2021




Foto: Shutterstock

Was zeichnet eine professionelle Oldtimer Lackierung aus?

Die Lackierung von historischen Fahrzeugen erfordert, wie alle Arbeiten an Oldtimern, ein fundiertes Fachwissen und das nötige Fingerspitzengefühl. Historische Beschichtungen haben ihre ganz eigenen Besonderheiten und auch bei der Farbtonbestimmung erfordert die Oldtimer-Lackierung Fachwissen und praktisches Können vom Lackierer.

Hintere Sitzreihe Austin Healey 2+2 im Roh-Zustand.
Fotos: Wolfgang Flaeschner
Fertig geschweißt und repariert, gründlich vom Rost befreit.
Nach der Grundierung, Blick in den Kofferraum.
Ein optionaler Zwischenschritt: Die Antidröhnbeschichtung

Wie wird beim Oldtimer lackieren vorgegangen?

Lackierarbeiten erfordern höchste Präzession und einiges an Erfahrung. Etablierte Meister in ihrem Fach haben ihre ganz eigenen Techniken. Und auch bei den Materialen, Techniken und Reglementierungen in Bezug auf die Inhaltsstoffe von Lacken, Lösungsmitteln, etc. ändert sich im Laufe der Jahre immer wieder allerhand. Hier finden Sie deswegen keine genaue Schritt-für-Schritt Anleitung zum Oldtimer-Lackieren, sondern einfach einen Überblick zur Vorgehensweise, möglichen Tücken und ein paar Tricks.

Untergrund freilegen und präparieren

Bezüglich der Vorbehandlung scheiden sich die Geister der Lackier-Meister: Manche schleifen die Karosserie bis zum Blech ab und bereiten den Oldtimer so vor, dass ein späteres Spachteln gar nicht mehr nötig ist und wiederum andere lassen gerne alte, fest mit dem Auto verwachsenen Lackreste stehen, da sie behaupten es gäbe keinen besseren Untergrund für eine Neu-Lackierung.

Gerade das Spachteln und Schleifen sind Tätigkeiten, die ein begeisterter Schrauber selber vornehmen kann. So lassen sich Zeit und Kosten sparen.

Ist der alte Lack jedoch rissig, blättert ab und hat Ihr Wagen viele Roststellen, dann sollte wirklich komplett bis aufs Blech abgeschliffen werden. Auch diverse Altlacke am Wagen müssen auf die Verträglichkeit mit neuen Lösungsmitteln getestet werden. Dazu legt man meist einfach einen getränkten Lappen auf die Stellen und wartet ein paar Minuten. Sieht man Blasen oder weiche Lack-Stellen, muss der alte Lack ab!

Rost auf der Karosserie entfernen

Mit dieser Vorbereitung sparen Sie sich auch ein wenig Geld in der Werkstatt, die Sie spätestens aufsuchen sollten, wenn es an die Vorbehandlung des Wagens für den endgültigen Oldtimer-Lack geht!

Die restlose Entfernung vom Rost an Ihrem Oldtimer ist einer der wichtigsten Schritte bei der Oldtimer Restauration und kann mechanisch oder chemisch von Statten gehen.  Entrosten ist für geübte Laien und Hobbyschrauber mit Erfahrung ebenfalls eine Arbeit, die selbst am Fahrzeug vorgenommen werden kann.

Rohkarrosserie, an der die rostigen Stellen schon ausgetauscht wurden. Abgeschliffen und bereit gemacht für die Grundierung. Foto: Wolfgang Flaeschner

Mit einer Sandstrahlpistole können selbst die kleinsten Rostflecken an gut zugänglichen Stellen entfernt werden, ohne das unnötig Strahlmaterial verteilt wird.

Achtung: Auch bei sachgerechter Behandlung kann es durch den Aufprall des Strahlgutes zu negativen Begleiterscheinungen kommen wie. z.B. zu hohe Temperaturen und Verzug, Spannungsverlust in der Blechhaut und zu hoher Materialabtrag, was das Blech dann brüchig werden lässt. Deshalb ist ein professioneller und gezielter Einsatz dieser Technik Voraussetzung.

Die entrosteten Bereiche werden anschließend mit einer Epoxy-Grundierung für Oldtimer überzogen, um neuen Rostansatz zu unterbinden. Anschließend wird die Karosserie ebenfalls an allen Stellen, die bearbeitet wurden, mit einer Epoxidharz-Grundierung, wie sie auf Deutsch heißt, geschützt.

Vorbehandlung für den Oldtimer Lack

Im nächsten Schritt werden alle Flächen gründlich von Öl, Fettrückständen, Silikon und Wachs, gesäubert – entsprechende Lösungsmittel helfen dabei. Danach werden alle Teile abgeklebt, die nicht mit Farbe in Berührung kommen sollen. Anbauteile, wie Türgriffe, Abdeckungen und Schutzleisten, sollten ebenfalls entfernt werden, bevor mit dem Oldtimer-Lackieren begonnen wird.

Jetzt erst kann die Karosserie mit einen Primer vorbehandelt werden. Dieser garantiert eine gute Haftung für alle folgenden Schichten. Zeigt der Oldtimer Unebenheiten im Blech, ist es nötig, sie nach dem Ausbeulen mit einem Füller bzw. bei größeren Dellen mit Spachtel auszugleichen. Dabei ist es fast immer notwendig, nach dem Aushärten wieder zu schleifen und neu zu füllen.

Denn der fertige Lack zeigt selbst die kleinste Vertiefung unbarmherzig an. Um deswegen auch kleinste Unebenheiten im Blech zu entdecken, wird nach dem ersten Spachteln an verdächtigen Stellen, etwa an den Rundungen um den Kotflügel, eine hauchdünne Farbschicht mit einer Spraydose oder ein sogenanntes Kontrollpulver angebracht.

Um beim Oldtimer lackieren unschöne Ränder zwischen Spachtelmasse, Blech und Altlack zu verhindern, wird eine dünne Schicht Epoxidharzgrundierung vorlackiert. So kann der anschließend aufgetragene Füller die feinen Kratzer des 240er-Schleifpapiers schließen und gleicht so Übergänge zwischen dem alten Lack und der Karosserieflächen aus.

Wenn genug gespachtelt und gefüllt wurde, dann wird die Oldtimer-Oberfläche final geglättet, beim Handschliff zum Beispiel mit einer 600er Körnung. Mit höchstwertigen Excenterschleifern sind Körnungen von 360 und 400 verwendbar, um den Preis höherer Staubentwicklung. Beim Handschliff ist 600er nass üblich.

Das Finale der Oldtimer Lackierung: der Decklack

Und erst jetzt bekommt Ihr Oldtimer seinen neuen Lack und darf nach mehreren Wochen der Vorbereitung endlich in neuem Glanz erstrahlen. Doch bei diesem Schritt ist allergrößte Vorsicht geboten! Denn beim Lackieren muss die Umgebung unbedingt staubfrei sein – dazu gehört auch die Kleidung des Lackierers!

Ein Platz im Freien ist ebenfalls absolut ungeeignet, wenn es an den Decklack geht, weil hier permanent Staub und Insekten durch die Luft fliegen. Auch Zugluft ist zu vermeiden, da sie den Sprühstrahl ablenkt.

Arbeiten Sie sich von kleinen Teilen, die sie mit der Sprühdose lackieren, langsam zur Lackierung ganzer Bauteile mit der Pistole vor. Mit einigen Teilen Erfahrung bekommt man Gefühl für Spritzgeschwindigkeit, Lackmenge, Überdeckung und mögliche Fehler. Wenn man jedoch sauber arbeitet, an den Kanten beginnt und den Lack regelmäßig sowie dünn aufträgt, kann man im Prinzip auf solide Ergebnisse hoffen!

Original oder modisch: Welcher Oldtimer Lack passt?

Moderne Wasserbasislacke habe den Einsatz von Lacken mit organischen Lösungsmitteln völlig abgelöst. Denn seit 2007 ist die Handhabung von Lacken mit organischen Lösungsmitteln EU-Weit streng reglementiert – bei historischen Raritäten sowie Museumsfahrzeugen lässt der Gesetzgeber freilich Ausnahmen beim Oldtimer lackieren zu.

Für die Reparatur sind heute die meisten Uni-Lacke noch lösungsmittelhaltig. Viele Lackierereien verwenden zumindest als Basislack lösungsmittelhaltige Lacke aufgrund der kürzeren Trocknungszeiten. Die Lackierbox kann in kürzeren Intervallen beschickt werden.

Wenn Sie zu jenen Menschen gehören, die befürchten, dass ein neuer und moderner Lack die Seele Ihres Oldtimers verändert, können wir Sie beruhigen. Denn wie bei einer Restauration, bei der Original-Ersatzteile verbaut werden, tut ein frischer Oldtimer Lack dem Oldtimerstatus sowie seinem Flair keinen Abbruch.

Restaurierung Fiat 500 Teil 13: Stand der Arbeiten beim Lackierer

Oldtimer lackieren: Kosten

Das Oldtimer-Lackieren ist zeitaufwendig und teuer. Eine Voll-Restaurationslackierung liegt je nach Fahrzeug und Zustand irgendwo zwischen 5.000,- bis 8.000,- Euro, die untere Grenze liegt jedoch zumindest bei 1.500,- Euro. Die Summe beinhaltet schon den Materialwert sowie die Arbeitsstunden, denn beim Lackieren entstehen leicht 3-Stellige Stundenzahlen und der Lack-Materialeinsatz kann je nach Menge und Farbe bis zu 2.000,- Euro ausmachen.

Achtung: Mancherorts wird zu billigeren Werkstätten in Polen oder Tschechien geraten. Natürlich gibt es überall schwarze Schafe, jedoch arbeiten viele Betriebe im osteuropäischen Raum preiswert und zuverlässig. Aber der lange Anfahrtsweg und eventuelle Kommunikationsschwierigkeiten relativieren oft den Preisvorteil.

Viele klassische Fahrzeuge sind bereits einmal restauriert worden. Die technische Kompatibilität zwischen den zu unterschiedlichen Zeiten verwendeten Lacksystemen sicherzustellen, braucht lange Erfahrung und umfangreiches technisches Verständnis.

Eine Lackierung ist nicht statisch. Grundierungen schrumpfen, sie fallen ein, und weggespachtelte Schleifspuren werden wieder sichtbar. Ein ganz besonderer Fall sind Kunststoffkarosserien, die auch nach Jahrzehnten noch Lösungsmittel ausdünsten, die in der Decklackierung sichtbare Blasen werfen.

Diese Faktoren haben alle Einfluss auf die Kosten einer Oldtimer-Lackierung – aber wie Sie erfahren haben, kann man einiges an Kosten sparen, wenn man Entrost- und Vorbehandlungs-Arbeiten selbst vornimmt!

Mini mit Decklack ohne Anbauteile, in British Racing Green mit kontrastfarbig lackiertem Dach in Old English White.

Oldtimer lackieren: Unser Fazit

Beim Oldtimer lackieren kommt einiges an Arbeit auf Sie zu und glauben Sie uns: hier ist es am besten diese Arbeit einem Profi zu überlassen. Nicht nur, dass die Oldtimer Lackierung sofort und unmittelbar sichtbar ist, es können auch unsaubere frühere Arbeiten zu Tage kommen, die man fachgenau wieder ausbessern oder kompensieren muss – in manchen Fällen sogar selbst! Nur so ist eine perfekte Symbiose aus Karosserie und Lack gewährleistet, die Ihren Oldtimer und Sie selbst strahlen lässt!