H-Kennzeichen Nachteile und Vorteile: Wissen Sie Bescheid?



Sie möchten eine Zulassung für ein H-Kennzeichen beantragen und freuen sich schon darauf, von allerhand Vorteilen zu profitieren? Sie denken, dass ein H-Kennzeichen Geld spart und auf jeden Klassiker gehört? Dann ist es gut, dass Sie hier sind, denn ein H-Kennzeichen hat auch Nachteile und nicht nur Vorteile. Hier erfahren Sie deshalb, ob sich das Beantragen für Sie lohnt.

Autor: Jean Göbbels
Position: Vertrieb
Aktualisiert: 02.02.2022

Das H-Kennzeichen: der Ritterschlag für Oldtimer

Das historische Kennzeichen, wofür das „H“ steht, wurde 1997 eingeführt. Der Grund für die Einführung war, das automobile Kulturgut zu definieren und zu schützen. Seither kann das Kennzeichen ausschließlich an klassischen Fahrzeugen angebracht werden, die mindestens 30 Jahre alt sind. Wenn Sie dazu genauer informieren möchten, dann lesen Sie gerne vorab unseren Artikel zum Thema Ab wann ist ein Auto ein Oldtimer.

Wenn Sie bereits ein alter Hase im Oldtimer-Terrain sind, dann lesen Sie gleich weiter und erfahren, welche Nachteile und Vorteile das H-Kennzeichen hat.

H-Kennzeichen Nachteile

  • Mögliche Beschränkung bei Veränderungen und Individualisierung: Das H-Kennzeichen schreibt den Status als erhaltenswertes technisches Kulturgut fest. Tuningmaßnahmen oder Individualisierungen sind damit ausgeschlossen.
  • Prüfprozess kann aufwendig sein. Damit ein Fahrzeug tatsächlich als würdiger Oldtimer anerkannt wird, muss es seine Originalität über ein Gutachten beweisen. Dabei werden das Fahrzeugalter (Erstzulassung) und die Originalität Ihres Fahrzeuges genau unter die Lupe genommen. Das ganze Prozedere kostet Sie rund 100 Euro.
  • Sie zahlen unter Umständen mehr als mit einer normalen Zulassung. Für Benziner bis etwa 800ccm³-Hubraum, also einem Kleinwagen wie den BMW Isetta oder den Fiat 500, rentiert sich die Zulassung für ein H-Kennzeichen nicht. Hier ist die normale Zulassung günstiger und Sie ersparen sich somit das gesamte Zulassungs-Prozedere. Bei Diesel-Fahrzeugen hingegen lohnt es sich immer!

H-Kennzeichen Vorteile

  • Zulassung mit H-Kennzeichen als Qualitätsmerkmal: Die Grundidee hinter dem H-Kennzeichen ist es, das Fahrzeug (Auto, Motorrad LKW) vor Verfall und Verbrauch zu schützen – das Hauptaugenmerk ist also die Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts.
  • Der größte Vorteil des H-Kennzeichens liegt für die meisten Halter eines Klassikers einfach darin, dass das Alter und der Zustand Ihres Liebhaberstückes offiziell als historisch anerkannt werden. So handelt es sich bei einem Oldtimer mit H-Kennzeichen offiziell um ein „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut.
  • Das honoriert der Staat durch eine Ersparnis bei der KFZ-Steuer. Man spart sich auch den einen oder anderen Euro, wenn man ein H-Kennzeichen sein Eigen nennt. Die jährliche KFZ-Steuer beträgt, wie bereits oben genannt, pauschal 191,73 Euro.  Gerade Fahrzeuge mit großvolumigen Motoren profitieren enorm von diesem Entgegenkommen.
  • Auch die KFZ-Versicherung ist bei einigen Versicherungen niedriger, wenn das Fahrzeug ein H-Kennzeichen hat.
  • Das H-Kennzeichen schränkt die Nutzung des Fahrzeugs nicht ein. Es handelt sich, im Gegensatz zum 07er Kennzeichen um eine vollwertige Zulassung, die weltweit gültig ist.
  • Umweltzonen dürfen auch ohne Katalysator und ohne grüne Plakette befahren werden. Denn man darf einen Kat zwar nachrüsten, muss es aber auf Grund der Originalität nicht tun.
Grafik: Markus Baumer/Lizenz
CC BY-SA 2.0 de

Voraussetzungen zum Genießen der H-Kennzeichen-Vorteile

Wenn das H-Kennzeichen mehr Vorteile als Nachteile für Sie und Ihren Klassiker mit sich bringt, dann sollten Sie es auch beantragen. Welche Kosten dabei auf Sie zukommen und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, können Sie jetzt gemütlich von zu Hause aus nachlesen.

Für die Erlangung des H-Kennzeichens ist als erstes ein sogenanntes Oldtimergutachten nach § 23 StVZO nötig. Das bekommt man bei verschiedenen Prüforganisationen, wie TÜV, DEKRA oder GTÜ. Dabei muss das Fahrzeug, ähnlich wie bei der Hauptuntersuchung, vorgeführt werden und es müssen um die 100 Euro dafür bezahlt werden. Oft wird man als Besitzer eines klassischen Fahrzeugs im Rahmen der Hauptuntersuchung angesprochen, ob man die Abnahme nach §23 mitmachen möchte.

Dabei werden folgende Punkte überprüft:

  • passende Erstzulassung vor mindestens 30 Jahren oder mehr
  • Originalität des Fahrzeugs und der Technik
  • Originalität der eventuell vorhandenen Umbauten muss gegeben sein. Dazu prüft der Sachverständige, ob der Umbau zeitgenössisch möglich und üblich war.
  • Das Fahrzeug muss erhaltenswert sein, was durch einen anerkannten Sachverständigen bestimmt wird.
  • Das Fahrzeug muss auch einen guten sowie gepflegten Zustand aufweisen, eine gewisse Patina ist jedoch erlaubt.
  • Der Klassiker darf keine erkennbaren Mängel im Sinne der StVZO vorweisen.
  • Der Sachverständige wird den Zustand des Fahrzeugs mit einigen Fotos dokumentieren.

Nach der Prüfung und erfolgter Aushändigung des Gutachtens kann das historische Kennzeichen bei der Zulassungsbehörde Ihres Wohnortes beantragt werden. Dabei werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • alternativ: aktuelle Meldebestätigung
  • elektronische Versicherungsbestätigungsnummer (eVB-Nummer)
  • Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief / Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II
  • positives Oldtimer-Gutachten nach §23
  • Prüfprotokoll der gültigen Hauptuntersuchung (HU), muss nicht neu sein
  • bisheriges Kennzeichen (falls Fahrzeug gegenwärtig zugelassen)

Info zum Fahrzeugbrief: Normalerweise werden alte Dokumente bei der Zulassungsstelle eingezogen und vernichtet. Doch bei Oldtimern können die alten Dokumente einen gewissen historischen Wert darstellen und auch beim Wiederverkauf den Wert steigern. Sie sollten den Fahrzeugschein und den Fahrzeugbrief also besser behalten. Dazu können Sie bei den meisten Zulassungsstellen die Aushändigung der ungültig gemachten Unterlagen beantragen. Das sollten Sie in jedem Falle vorher klären.

Wenn das Fahrzeug durch die Nutzung so verschließt, dass es den Status des Kulturgutes verliert, wird das H-Kennzeichen eingezogen. Viele Zulassungsstellen erwarten bei Zulassung des Fahrzeugs, z.B. nach Kauf oder längerem Abmelden, ein neues Gutachten nach §23. Damit soll sichergestellt werden, dass das Fahrzeug immer noch den Kriterien für die Erteilung eines H-Kennzeichens entspricht.

Viele Jahre war es nicht möglich, H-Kennzeichen und Saisonkennzeichen zu kombinieren. Das ist heute liberalisiert. Wenn Ihre Zulassungsstelle das anbietet, können Sie Ihr Fahrzeug auch für einen befristeten Zeitraum mit einem H-Kennzeichen zulassen. Achten Sie bei der Zulassung auf eine korrekt ausgestellte EVB.

Wenn Sie sich für ein 07-Kennzeichen und das Zulassungsprozedere für eben dieses interessieren, dann werfen Sie einen Blick in unseren dazugehörigen Ratgeber.

Wie sieht ein H-Nummernschild aus?

Ein H-Kennzeichen hat dieselben Abmessungen wie ein reguläres Nummernschild. Daher hat es eine Höhe von 130 Millimetern und eine Breite von 520 Millimetern. Ebenfalls standardmäßig befindet sich am linken Rand das EU-Symbol samt Länderkennung. Einziger Unterschied ist das „H“ ganz hinten am Ende des Schildes. Die Tafel darf 8 Stellen haben und gern ein Wunschkennzeichen sein.


H-Kennzeichen: Nachteile, Vorteile und vor allem Originalteile

Das H-Kennzeichen strahlt vor allem Prestige, Kultur und Wertigkeit eines Fahrzeuges aus. Fahrzeuglenker, denen der Erhalt des Kulturgutes Oldtimer am Herzen liegt, entscheiden sich deshalb gerne dafür. Für sie bringt das H-Kennzeichen Vorteile, entgegen des recht aufwendigen Zulassungsprozederes, was wohl einer der größten H-Kennzeichen-Nachteile ist. Unabhängig davon, wie Ihr Klassiker zugelassen ist, achten Sie immer auf einen guten Zustand und die Verwendung von originalgetreuen Ersatzteilen.