Oldtimer entrosten

Rost breitet sich vor allem im Verborgenen aus und kann Ihr Fahrzeug über die Jahre hinweg ganz langsam von innen heraus zerfressen. Beim Oldtimer-Entrosten muss man deshalb in jede noch so unzugängliche Ecke der Karosserie und in alle Hohlräume vordringen, um Ihr Liebhaber-Stück vor dem Tod durch die rotbraune Gefahr zu bewahren. Auf welchen Wegen man einen Oldtimer richtig entrosten kann, erfahren Sie hier!

Autor: Philip Knauf
Position: Vertrieb
Aktualisiert: 31.05.2021

Den Oldtimer richtig entrosten: Korrosion am klassischen Fahrzeug behandeln

Die gute Nachricht vorneweg: Oldtimer sind aus stabileren und stärkeren Materialen gebaut als moderne Fahrzeuge heutzutage und das macht das Oldtimer-Entrosten ein wenig einfacher. Die schlechte Nachricht: Nahezu alle Oldtimer haben immer wieder mit Rost zu kämpfen. Denn Rost verhält sich in etwa so wie Schimmel: Entfernt man nicht auch das letzte mikroskopisch kleine Fitzelchen und hält nicht alles perfekt trocken, dann kommt er immer wieder zurück – denn Korrosion wird vor allem durch das teuflische Zusammenspiel von Luft und Wasser ausgelöst!

Mit ein bisschen Übung und den richtigen Hilfsmitteln kann auch der Laie seinen Oldtimer, wie auch seinen Youngtimer, selbst entrosten!

Wirklich nachhaltig entfernen lässt sich Rost an zugänglichen Stellen nur durch Sandstrahlen. An nicht zugänglichen Stellen wird man ihn nur durch das Freilegen der betreffenden Stellen und anschließendem Sandstrahlen, bzw. erst durch den Teilersatz der betroffenen Partien los. Vor allem die Hohlräume im Fahrzeug sind ein wahres Rost-Biotop, denn dort breitet sich Feuchtigkeit in Form von Kondenswasser besonders gerne und weitläufig aus.

Unter rissigem und altem Unterbodenschutz oder schlecht angebrachten Blechflicken fühlt sich Rost ebenfalls sehr wohl. Wenn dann noch ein paar Schichten Spachtelmasse und Lack darüber liegen, dann findet sich darunter im schlimmsten Fall nur noch ein zerfleddertes rötliches Gebilde. Und zu guter Letzt sind auch vermeintlich intakt aussehende Flächen nicht davor gefeit, innerlich bereits zu rosten!

Besonders bei der Restauration Ihres Wagens ist die Korrosionsbehandlung einer der wichtigsten Schritte! Beim Oldtimer-Entrosten muss man gründlich vorgehen und für unterschiedliche Stellen sowohl das passende Werkzeug als auch die passende Technik wählen.

Was genau ist Rost und was sind die Folgen davon?

Rost ist die landläufige Bezeichnung für Korrosion an Fahrzeugteilen aus Stahl. Stahl korrodiert, das heißt er reagiert mit dem Sauerstoff der Luft.  Das Problem beim Auto, beim klassischen Fahrzeug insbesondere ist, dass Rost das etwa 10-fache Volumen des Ausgangsmaterials annimmt. Wenn Stahlblech korrodiert, reißen Lack, Unterbodenschutz, Schutzwachse, Dichtmasse, was auch immer, ein. Damit wird der Weg für weitere Korrosion bereitet.

Wie geht man beim Blech-Entrosten vor?

Das Oldtimer-Entrosten zählt bei einer Restaurierung aber nicht nur zu den wichtigsten, sondern auch zu den unbeliebtesten Arbeiten, da die Ergebnisse meist nicht lange anhalten und die Arbeit zudem einfach unangenehm ist. Um die zeitintensive Arbeit des Entrostens beginnen zu können, muss einiges vorbereitet und beachtet werden. Ansonsten ist die Freude am rostfreien Oldtimer nur von kurzer Dauer.

Das heißt konkret: Man kommt im ersten Schritt nicht darum herum, alle rostigen Teile freizulegen und diese anschließend von…

  • Nässe,
  • Dreck,
  • Öl und Fett gründlichst zu befreien!

Erst dann kann man damit beginnen, die betroffenen Stellen am Oldtimer zu entrosten.

Austin Healey Rohkarosse abgeschliffen. Foto: Wolfgang Flaeschner

Entrosten per Winkelschleifer

Große Flächen kann man gut mit einem Winkelschleifer und einer flachen Schleifscheibe entrosten. Meist wird beim Schleifmittel eine 60er-Körnung empfohlen. Das Entrosten mit dem Schleifer geht recht schnell und ist nicht allzu anstrengend. Jedoch funktioniert es nur bei frei zugänglichen Stellen, die darüber hinaus eher großflächig sind.

Man kann auch eine Bohrmaschine verwenden, um die Karosserie des Fahrzeugs zu entrosten. Dafür benötigt man nur einen Schleifaufsatz aus Metall, sogenannte Scheiben- oder Zopfbürsten. Damit kommt man zumindest zum Teil an etwas unzugänglichere Ecken am Fahrzeug – beispielsweise am Unterboden oder in den Karosserie-Ecken.

Beim Unterboden ist eine Hohlraumversiegelung gegen Rost unabdingbar, da sich hier viele Öffnungen befinden, in denen sich Feuchtigkeit und Kondenswasser sammeln kann. Dafür sollten Sie immer einen Profi aufsuchen. Denn beispielsweise sperrt eine Versiegelung, die vorgenommen wird, ohne das Fahrzeug vorher komplett auszutrocknen, die Feuchtigkeit im Unterboden ein. Was dann passiert, können Sie sich wahrscheinlich denken…

Entrosten per Hand mit Schleifpapier oder Drahtbürste

Hier kommen selbst Profis ins Schwitzen, denn das Entrosten per Hand ist extrem anstrengend und deshalb wird dies auch nicht gemacht! Jedoch kommt man nur händisch an die schwer zugänglichen Stellen am Oldtimer. Man kann sich zum Beispiel mit einem Schleifblock behelfen, aber das ist nur bedingt weniger kräftezehrend.

Nach einiger Zeit fehlt schlicht und einfach die nötige Kraft in den Fingern, um den Rost, besonders in den Ecken des Fahrzeugs, wegzuschleifen. Aber es gibt auch Selbstläufer unter den Rost-Entfernungs-Methoden!

Starken Rost durch Sandstrahlen entfernen

Beim Sandstrahlen kommen mittlerweile ziemlich ausgetüftelte Strahlmaterialen zum Einsatz, die starkem Rost im Handumdrehen den Garaus machen. Die wenigsten Hobby-Handwerker besitzen jedoch ein Sandstrahlgerät und deshalb muss man bei dieser Variante des Karosserie-Entrostens auf die Hilfe von einem Fachbetrieb zurückgreifen.

Anders als bei chemischen Verfahren, die teilweise auch einen Korrosionsschutz mitauftragen, ist es beim Sandstrahlverfahren sehr wichtig, diesen Schutz im Nachhinein auf die entrostete Fläche zu geben. Aber: Über den Korrosionsschutz kann man nicht lackieren. Die meisten werden abgewaschen und brauchen dann eine Grundierung als Korrosionsschutz.

Und zur Erinnerung: Bei dünnen und schon oft bearbeiteten Stellen sollte man aufs Sandstrahlen verzichten.

Chemisches Entrosten per Rostumwandler oder Rostkonverter

Wichtig ist es auf jeden Fall auf die unterschiedlichen Methoden der einzelnen Hersteller zu achten und die jeweiligen Anleitungen penibel zu befolgen.

Die Karosserie chemisch zu entrosten, macht besonders bei Stellen Sinn, die ohnehin schon recht dünn und vorbelastet sind. Schleift man zu grob über zu dünnes Metall, dann muss man mitunter gleich ganze Teile herausschneiden und wegwerfen, da sie nicht mehr die nötige Stabilität aufweisen. Mit einem Rostumwandler kann der Rost hingegen kinderleicht chemisch entfernt werden.

Dazu muss die zu behandelte Fläche fett- und ölfrei sein, sonst kann die chemische Reaktion zur Rostentfernung nicht stattfinden. Nachdem der Umwandler mit dem Pinsel aufgetragen wurde, dauert es im Schnitt ein bis zwei Tage, bis der Rost verschwunden, also in eine stabile Eisenverbindung umgewandelt, worden ist.

Was tun bei stark fortgeschrittenem Rost?

Bei starkem Rost an mitgenommen Karosserie-Teilen hilft nur mehr eines: die verrosteten Stellen heraustrennen und neue Bleche einschweißen. Schweißarbeiten sollten Sie ohne Vorkenntnisse besser einem Profi überlassen. Denn gerade bei den Übergängen wird hier höchste Präzision und Fingerspitzengefühl verlangt, damit die Nähte stabil und sauber sind, ohne unschöne Wellen und Beulen zu bilden.

Frühzeitig und richtig entrosten

Rost entsteht zuerst da, wo die schützende Lackschicht beschädigt ist. Das kann man polieren und wachsen, nützt aber nichts, der Rost bleibt da. Sinnvoll kann es sein, die kleine Stelle mit einem Rostradierer (Glasfaserstift) zu behandeln, neu zu grundieren und zu lackieren (austupfen reicht).

Danach kann man die behandelten Stellen mit Hartwachs versiegeln. Diese Methode bietet Schutz für eine angegriffene oder leicht beschädigte Lackierung, ist aber nur eine kurze Zeit wirksam. Eine Versiegelung ist lediglich eine Variante für den Hausgebrauch, die Sie selbst durchführen können.

Meist kehren die braunroten Stellen nach einiger Zeit wieder zurück. Denn Rost kann sich, wie bereits eingangs erwähnt, ganz unauffällig von innen heraus ausbreiten. Es gibt auch diverse Hausmittelchen, die im Internet kursieren, beispielsweise die Behandlung von Rost mit einem Essig-Öl- sowie Natron-Backpulver-Gemisch. Davon würden wir jedoch abraten, da man besonders bei älteren Oldtimer Lackierungen nie weiß, wie sie mit derartigen Mitteln reagieren.

Austin Healey Frontmaske

Oldtimer entrosten: eine Arbeit für Liebhaber

Dieser Beitrag hat Ihnen vermutlich vor allem vermittelt, wie perfide Rost ist und welche Schäden er an Ihrem Liebling anrichten kann. Vor allem der Tank gilt als besonders rostanfällig, aber er ist bei weitem nicht das einzige Teil, das davon betroffen ist. Das Oldtimer-Entrosten ist eine Aufgabe, der Sie sich regelmäßig annehmen müssen.

Haben Sie also am besten immer ein Auge auf Ihre Karosserie und sorgen Sie ganzjährig für einen trockenen und gut belüfteten Stellplatz für Ihr Auto. Und auch wenn der Rost Ihren Wagen befällt, bedeutet das nicht gleich das Ende aller Tage für Ihren Oldtimer – schließlich ist ein professioneller Kfz-Betrieb in Deutschland nicht schwer zu finden!