Klassiker-Lenkrad restaurieren – aus alt mach neu

Ein abgegriffenes Lenkrad zeugt zwar von ausgiebiger Nutzung durch den stolzen Klassiker-Besitzer, passt aber mit seinen Abnutzungsspuren und nicht selten auch Rissen gar nicht zum sonst gut gepflegten Äußeren eines zeitlosen Old- oder Youngtimers. Deshalb kann es sinnvoll sein, eine Restauration zu wagen. Wie eine solche vonstattengeht und ob Sie die Arbeiten lieber dem Profi überlassen, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Autor: Philipp Knauf
Position: Vertrieb
Aktualisiert: 14.09.2021

Lenkrad restaurieren oder neu kaufen?

Ganz einfach einen Ersatz für das ramponierte Lenkrad zu beschaffen, kann gerade bei nicht originalen Lenkrädern als Option in Betracht gezogen werden. Die meisten Modelle der zeitgenössischen Anbieter, Moto-Lita, Mountney, Momo oder Booklands, sind heute noch lieferbar. Ersatz, der hinsichtlich Sportlichkeit, Schnittigkeit und Eleganz zum Fahrzeug passt, ist in großer Auswahl verfügbar. Mit 300–1000€ – je nach Modell – sollte man für ein klassisches Sportlenkrad durchaus rechnen.

Deshalb ist die mit ca. 50€ deutlich günstigere Option der eigenständigen Restaurierung oft die näherliegende – für begeisterte Hobbybastler sowieso, die gerne restaurieren wie die Profis.

Nicht alle Lenkradtypen können im Do-it-yourself-Verfahren restauriert werden. Das Abziehen des Lenkrads von der Nabe ist meist noch eine der einfacheren Übungen.

Wann ist es sinnvoll, ein Lenkrad zu restaurieren?

Bei kleinen Mängeln ist eine Restaurierung kein Problem – zum Beispiel bei Kratzern, Rissen oder Abnutzungsspuren. Mit den richtigen Schritten, informiertem Know-how und ein bisschen Geschick können solche Mängel schnell beseitigt werden.

  • Lederlenkräder bestehen aus einem Metallkern mit einer formgebenden Umhüllung. Diese ist dann mit Leder bezogen. Schäden im Lederbezug lassen sich gut bearbeiten.
  • Holzlenkräder bestehen aus Metall mit einer Holzauflage. Schäden im Holz lassen sich gut bearbeiten.
  • Kunststofflenkräder bestehen ebenfalls aus einem Metallkern und einer Umhüllung aus Duro- oder Thermoplasten. Kunststofflenkräder sind oftmals die Erstausstattung und in guter Erhaltung entsprechend selten. Originale Bakelit-Lenkräder sind sehr aufwendig zu restaurieren, während Thermoplastik Lenkräder aus den 50er Jahren auch einfach lackiert werden können.
Nachfolgend die Möglichkeiten im Einzelnen.

Lenkrad restaurieren – DIY oder lieber beim Profi?

Ist die Entscheidung zugunsten der Restauration erst einmal gefallen, stellt sich sofort die weitere Frage nach dem Vorgang: Kann ein Klassiker-Liebhaber selbst Hand anlegen oder handelt es sich hier um einen Bereich, der auf jeden Fall vom Profi übernommen werden sollte?

Das ist nicht immer einfach einzuschätzen. Lenkräder wurden im Lauf der Old- und Youngtimer-Historie aus verschiedensten Materialien angefertigt. So verfügen die Klassiker heute über Lenkräder aus Hartplastik, Holz, Leder, Chrom, PVC oder einem bunten Mix. Besonders bei Lenkrädern, die verschiedene Materialien vereinen (beispielsweise Holz auf Metallkern), sind oft spezielle Vorgehensweisen geboten, die wir hier nicht alle anleiten können. Man kann daher nicht pauschal sagen, wann eine eigenständige Restaurierung Sinn macht – es hängt auch vom Einschätzungsvermögen und der Erfahrung des Besitzers ab.

Dementsprechend scheiden sich hier auch die Geister: Viel kann schiefgehen und eine Lenkrad-Restauration – ob es sich nun um Risse, Brüche oder Abnutzungsspuren handelt – ist beim Profi immer noch in den besten Händen – oder? Man sollte allerdings nicht vorschnell urteilen. Wer sich zu Beginn gut informiert, kann sich durchaus an eine Lenkrad-Restaurierung wagen. Passende Materialien und ein gutes Händchen helfen dabei. Und so wird’s gemacht:

Ein abgenutztes Lederlenkrad kann leicht restauriert werden.

Leder-Lenkrad restaurieren

Eine hochwertige Leder-Optik will gepflegt sein – auch am Lenkrad. Wie Sie Ihr abgegriffenes Lenkrad wieder in den alten glanzvollen Zustand versetzen, erfahren Sie hier. Besorgen Sie sich hierfür einen Reiniger, Lederfarbe und ein rückfettendes Pflegeprodukt – und schon kann die Restaurierung Ihres Leder-Lenkrads beginnen:

Tipp: Sie können das Lenkrad belassen, wo es ist, allerdings arbeitet es sich leichter, wenn das Lenkrad abmontiert wird und auf festem Untergrund liegt. Sie vermeiden dadurch Arbeiten in Zwangslagen und das Laufen von dünnflüssigen Hilfsmitteln. Demontage des Lenkrades ist an der Nabe durchzuführen, nicht an der Lenksäule.

Schritt 1 – Reinigung

Reinigen Sie die unbeschädigten Bereiche des Lenkrads mit schonendem Lederreiniger, sodass diese vollkommen frei von Schmutz sind. Achten Sie dabei besonders darauf, die im Leder beschädigten Bereiche auszusparen, damit diese nicht aufquellen können. Die beschädigten Bereiche müssen entfettet werden. Verwenden Sie hierfür ein sauberes Tuch und Reinigungsbenzin.

Tipp: Speckige, also gesättigt fettige Lenkräder lassen sich nur durch Neubeziehen instand setzen. Indikator ist ein Stück Abdeckband. Wenn dieses nicht mehr auf dem Bezug klebt bzw. haftet, sollte man einen Sattler um einen Lösungsvorschlag bitten.

Schritt 2 – Glättung

Nun können Raustellen mit dem Schleifpapier (erst mit feiner Körnung, z.B. erst 120er, dann 600 und 1000er-Körnung) geglättet werden. Schleifstaub dabei gründlich entfernen.

Schritt 3 – Lederfärbung nacharbeiten

Die Lederfarbe dünn und in mehreren Schichten auftragen. Prüfen Sie anfangs den Farbton der Lederfarbe an unauffälliger Stelle, z.B. Rückseite Speichen. Wiederholen Sie den Vorgang, bis die gewünschte Deckkraft erreicht ist.

Schritt 4 – Finish

Lassen Sie das Lenkrad – am besten über Nacht – in einem warmen Raum trocknen. Verwenden Sie dann die Lederversiegelung, um das optisch aufgewertete Lenkrad vor schnellem Neuverschleiß zu schützen und damit lange Freude an Ihrer Arbeit zu haben.

Hinweis: Schuhcreme ist in diesem Fall – auch, wenn viele Stimmen Gegenteiliges behaupten –, keine Lösung. Am Lenkrad greift sich die Farbe sehr schnell wieder ab, zusätzlich fährt man immer mit Schuhcreme-Resten an den Fingern. Schuhcreme lässt sich aber verwenden, wenn es darum geht, durch Sonneneinstrahlung verhärtete Lederpartien wieder flexibler zu machen. Das Abfärbeproblem bleibt allerdings bestehen.

Lenkrad aus Bakelit und Hartplastik restaurieren

Nach der Erfindung des ersten Kunststoffes Bakelit wurden auch andere Kunststoffe unter diesem Namen geführt. Die Lenkräder aus Bakelit verfügen über einen Metallkern und eine Bakelit- oder Hartplastik-Ummantelung. Das Material war deshalb so beliebt, weil es hitzeresistent und besonders widerstandsfähig ist.

Allerdings neigt es über die Jahre auch zu Rissen: Unterschiedliches Ausdehnungsvermögen bei verschiedenen Temperaturen oder auch mechanische Beanspruchungen durch Ziehen oder Druck aufs Lenkrad machen eine Reparatur notwendig – oder in schweren Fällen sogar fragwürdig. Ist eine Reparatur noch sinnvoll, kann eine Restaurierung mit Multifunktionsfräser, Schleifpapier, Epoxydharz und Lack vorgenommen werden:

Schritt 1 – Fräsen

Um Beschädigungen und Risse zu entfernen und das Lenkrad wieder in seinem alten Glanz erstrahlen zu lassen, fräsen Sie in einem ersten Schritt größere und tiefere Risse großzügig mit einem Multifunktionsfräser aus. Fräsen Sie dabei bis auf die Originalsubstanz.

Schritt 2 – Rückstände entfernen

Schleifen Sie im nächsten Schritt die alte Farbe vollständig ab. Entfernen Sie alle Rückstände und Überreste der Fräse. Dann das Lenkrad am besten mit einem Silikonentferner reinigen, sodass Staub- und Fettüberreste vollständig entfernt werden.

Schritt 3 – Risse füllen

Verwenden Sie nun ein Füllelement. Entscheiden Sie sich für entweder:

  • Epoxydharz bzw. Epoxyd-Masse (die professionelle Lösung)
  • oder 2K-Polyesterharz (günstiger als Epoxydharz, hat allerdings eine geringere adhesive Eigenschaft, z.B. auf Metall). Wählen Sie dieses, wenn Sie gerade nichts anderes zur Hand haben.
Kleben Sie bei größeren Rissen zur Überbrückung einen Füllstoff ein.
Wenn Sie Epoxid-Masse verwenden, sollten Sie darauf achten, die Masse bis zum Metallkern hineinzudrücken, um den gesamten Riss auszufüllen. Wenn die Masse zu sehr klebt, hilft es, die Finger von Zeit zu Zeit zu befeuchten.

Tipp: Schlichte, gerade Risse an Trennstellen des Lenkrings lassen sich auch mit PU Dichtmasse schließen: Dazu einfach beide Seiten des Risses ringförmig abkleben, PU Dichtmasse einspritzen, dann mit seifigem Finger glätten.

Schritt 4 – Abschleifen

Schleifen Sie überstehende Bereiche erst grob mit dem Multifuktionsfräser, dann mit Schleifpapier (z.B. erst 120er, 400er-, dann mit 600er-Körnung), bis das Lenkrad bereit für die Lackierung ist. Verfügt Ihr Lenkrad über Kerben und andere Beschädigungen, Schleifen Sie auch diese in Form.

Schritt 5 – Reinigung und Grundierung

Reinigen Sie das gesamte Lenkrad nochmals – am besten mit Silikonentferner. Lackieren Sie dieses anschließend mit füllender Grundierung  und lassen Sie diese mindestens einen Tag trocknen. Schleifen Sie die Grundierung am nächsten Tag noch einmal gründlich . Nehmen Sie hierfür am besten Körnung Nass 600 oder höher.

Schritt 6 – Lackierung und Finish

Ist auch diese Grundierung getrocknet, kann die Lackierung beginnen: Sprühen Sie in ausreichendem Abstand mehrere dünne Schichten Farbe bzw. 2-K-Polyethuran-Acryllack auf. Der ausgehärtete Lack kann mit Politur auf gewünschten Glanz gebracht werden.

Tipp: Es gelten die Regeln einer guten Lackierung: Sauberkeit, chemische Konsistenz der verwendeten Materialien und Geduld. Wenn Sie in der Garage arbeiten, hilft es, den Raum mit einer Wassersprühflasche abzulaufen. Das bindet den gröbsten Staub.

Holzlenkrad effektiv restaurieren

Kratzer, Risse, Brüche und Dellen sind im Holzlenkrad genauso wenig schön anzusehen wie bei anderen Lenkrädern. Auch hier stellt sich die Frage nach einer Erneuerung.

Bei Holzlenkrädern gestaltet sich eine Restauration allerdings schon etwas schwieriger. Holz hat Charakter – und keines gleicht dem anderen. Ob Sie nun ein Mahagoni-Lenkrad von Nardi oder eines aus Birke haben: Informieren Sie sich erst ausführlich beim Fachmann, bevor Sie den ersten Schritt tun. Wenn Sie noch keine Erfahrung haben, empfehlen wir generell eine Restaurierung beim Profi, denn vor allem die Anpassung des Farbtons mit Beize erfordert viel Erfahrung.

Wenn Sie sich trotzdem heranwagen wollen, sieht Ihr Weg wie folgt aus:

Schritt 1 – Beschichtung entfernen

Als erstes muss die bestehende Beschichtung entfernt werden. Lassen Sie sich hierfür Zeit und gehen Sie sehr vorsichtig mit einem Abbeizmittel zu Werke, um nicht aus Versehen und unnötigerweise das Holz mitzuentfernen. Wenn die Schicht aus Epoxidharz besteht, wird diese durch das Abbeizmittel nur erweicht werden. In so einem Fall müssen Sie zu Stahlwolle greifen. Oder, wenn Sie geschickt sind – auch zum Schleifpapier (keine Empfehlung).

Schritt 2 – Säubern

Wenn das Lenkrad dann nackt ist, können Sie mit Seife und Wasser an die Reinigung gehen. Geschirrspülmittel hilft, Reste der alten Lackierung ausfindig zu machen: Es bilden sich Flecken. Außerdem hebt es die Maserung im Holz hervor und entfernt fettige Stellen. Der Nachteil dieser Säuberung: Das Lenkrad muss nun etwa eine Woche trocknen.

Schritt 3 – Risse schließen

Nehmen Sie nun Schraubzwingen zur Hand. Alternativ können Sie für feine Risse einen Zwirn, für größere eine Wäscheleine verwenden. Diese werden nach dem Kleben allerdings Rückstände hinterlassen.

Versuchen Sie nun, die Risse zu schließen: Bauen Sie genug Spannung auf, um die Spalte zu feinen Linien zusammenzudrücken, ohne das Holz einzudellen. Wenn Sie herausgefunden haben, wie weit Sie die Risse schließen können, kann Schritt 4 beginnen.

Schritt 4 – Risse auffüllen

Um die Risse zu kleben, bietet sich Epoxid an. Greifen Sie hierzu aber nicht nach einem 5-Minuten-Epoxid, denn Sie werden wahrscheinlich nicht das ganze Rad auf einmal bearbeiten.

Achtung: Verwenden Sie keinen Holzleim, da dieser den hohen Temperaturen im Sommer nicht standhält.

Mit einem Zahnstocher können Sie nun den Kleber in die feinen Risse füllen. Wenn alle verklebt sind, führen Sie Schritt 3 durch und schließen Sie die Risse. Falls Sie Klemmen verwendet haben, können Sie den herausgetretenen, überschüssigen Kleber vorsichtig abwischen.

Die Alternative zur Restaurierung ist der Neukauf: hier z.B. von Moto-Lita. Das ist oft einfacher und bietet ein zuverlässigeres Ergebnis.

Tipp: Bei kleineren Fehlstellen, die nicht so einfach zu schließen sind, kann 2-K-Spachtelmasse verwendet werden, die mit Beize auf den richtigen Farbton gemischt wird. Stellen Sie hier zuerst die richtige Farbe ein und fügen Sie dann erst Komponente 2 hinzu. Dieser Vorgang erfordert aber viel Erfahrung oder Hilfe vom Profi (z.B: ein Schreiner, der Restaurierungen vornimmt).

Weist Ihr Lenkrad große Fehlstellen auf, können Sie auch versuchen, diese mit dem richtigen Holz zu füllen oder aus den Spänen des Lenkrades eine Spachtelmasse herzustellen.

Schritt 5 – Schleifen

Wenn Sie Zwirn oder Wäscheleine verwendet haben, müssen Sie die Rückstände aus Fusseln und Epoxid erst sehr vorsichtig mit einem stumpfen Messer oder einem Schaber entfernen. Ist das geschafft, können Sie zum Schleifpapier greifen, um trockenes und überschüssiges Epoxid loszuwerden: 220er, 400er und 600er – Nass- und Trockenkörnung sind hier die Empfehlung.

Wischen Sie anschließend mit einem feuchten Schwamm darüber, damit es die Fasern stellt. Diese dann mit dem 600er-Schleifpapier oder einer 0000 Stahlwolle noch einmal polieren.

Schritt 6 – Finish

Im letzten Schritt kann endlich der Klarlack aufgetragen werden. Ist die erste Schicht getrocknet, noch einmal mit der feinen Stahlwolle oder mit dem 600er-Schleifpapier zwischenschleifen und eine zweite Schicht auftragen. Auch hier gelten die o.g. Regeln für eine erfolgreiche Lackierung.

Wem der authentisch-klassische Anschein wichtig ist (ein altes Lenkrad würde nie wie ein neues aussehen) und dafür auf Hochglanz verzichtet, kann statt dem Klarlack auch Holzöl auftragen, dieses auspolieren und anschließend mit Holzwachs versiegeln.

Fazit

Ob Sie sich nun dafür entscheiden, Ihren Lieblings-Klassiker mit einem authentischen Original oder mit einem überarbeiteten, aber ebenso reizvollen Lenkrad auszustatten, bleibt Ihnen überlassen. Wenn Sie allerdings auf die Erneuerung und Verschönerung des alten setzen, dann empfehlen wir Ihnen, sich ausgiebig zu Ihrem Modell und den Materialien zu informieren. Für alle Fragen rund um Ihr Modell stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung – Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns per Kontaktformular.